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Emanuele Pirro auf dem Podium

Le Mans, 13. Juni 1999

Platz 3 und 4 für Audi
Nur die Ausdauernden überleben
Startplatz 11 für Pirro/Biela/Theys
Emanuele Pirro beim Start am Steuer
R8C: Probleme und ein frühes Aus
Fast keine Probleme für Audi Nummer 8
Le Mans 2000 fix – aber was passiert inzwischen?
Ergebnisse
Mit einem so guten Ergebnis hatte vor dem Rennen keiner gerechnet: Die beiden Audi fuhren beim ersten Einsatz der Ingolstädter bei den 24 Stunden von Le Mans am 12. und 13. Juni 1999 durch und belegten die Plätze 3 und 4. Auch Emanuele Pirro war überglücklich, denn er steuerte den Audi R8R, den er zusammen mit Frank Biela und Didier Theys bewegt hatte, an dritter Stelle liegend über die Ziellinie. Es war das erste Mal, daß Emanuele die legendären 24 Stunden im französischen Arrondissement La Sarthe beendete.
Die legendären 24 Stunden von Le Mans, die in diesem Jahr zum 67. Mal ausgetragen wurden, beanspruchen Mensch und Material aufs Äußerste. Nur wer perfekt vorbereitet ist, hat überhaupt eine Chance, die 24 Stunden auf der 13,605 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitspiste zu überstehen, auf der rund 330 km/h erreicht werden. Neuling Audi hatte es natürlich besonders schwer, auch mit einem erfahrenen Partner wie dem viermaligen Sieger-Team von Reinhold Joest.
Bei den zahlreichen Tests und dem Renndebüt vor drei Monaten in Sebring hatte sich der Audi R8R zwar als zuverlässig, aber gemessen an der Konkurrenz von BMW, Mercedes und Toyota als zu langsam erwiesen. Im Pre-Qualifying für die 24 Stunden Anfang Mai hatte sich dies bestätigt, als dem offenen R8R – gefahren von Emanuele Pirro – 4,5 Sekunden auf die Spitze fehlten. Im Zeittraining markierte der ehemalige Ferrari-Formel 1-Pilot Michele Alboreto dann mit 3:34,891 Minuten die Audi-Bestzeit und stand in der Startaufstellung acht Plätze hinter Toyota-Pilot Martin Brundle (3:29,930). Auf Rang 11 dann der R8R von Emanuele Pirro, Frank Biela und Didier Theys. Weniger gut ergangen war es den beiden geschlossenen Audi R8C von Audi Sport UK: Schon während des Trainings wurden sie von Problemen mit der Kraftübertragung eingebremst, kamen kaum zum Fahren und qualifizierten sich nur für die Plätze 20 und 23. Das Coupé, das komplett bei der 1998 erworbenen Audi-Tochter rtn (racing technologies norfolk) in England entstand, wurde erst im April fertiggestellt und ist entsprechend wenig erprobt.
Wie unwichtig die Startposition bei einem 24-Stunden-Rennen ist, zeigte sich auch in diesem Jahr sehr schnell, denn schon während der ersten fünf Stunden mischten sich die im Training so eindeutigen Kräfteverhältnisse völlig neu. Zuerst führten die Toyota, Mercedes und BMW das Feld an, doch dann ereilte die Schwaben der größte anzunehmende Unfall: Ein Mercedes CLR hob bei über 300 km/h kurz vor der Indianapolis-Kurve ab, drehte sich mehrmals in der Luft und schlug mehrere Meter von der Strecke entfernt im Wald auf. Pilot Peter Dumbreck entkam dem Desaster nahezu unverletzt und man kann nur von Glück sagen, daß dieser Streckenabschnitt für Zuschauer gesperrt ist. Obwohl sich schon im Training zwei ähnliche Unfälle ereignet hatten, war Mercedes gestartet. Nun zog man als logische Konsequenz das noch verbliebene Auto zurück. Davon profitierten natürlich auch die Audi, die bis dato einen durchwachsenen Rennverlauf gehabt hatten. Bei Einbruch der Dunkelheit lag der R8R mit der Startnummer 8 von Pirro/Biela/Theys auf Position 5. Er war als einziger Audi ohne Probleme durchgefahren, und bis auf eine Reparatur des Auspuffs am Sonntag sollte dies auch so bleiben. Die Nummer 7 mit Michele Alboreto, Rinaldo Capello und Laurent Aiello lag derweil drei Runden weiter zurück auf Position 14, weil sie ein neues Getriebe erhalten hatte.
Noch schlechter ergangen war es dem R8C von Vorjahressieger Stephane Ortelli, Ex-Formel 1-Fahrer Stefan Johansson und Christian Abt, denn er hatte nach nur zwei Runden den Reigen der Boxenstopps eröffnet und nach knapp vier Stunden die Ausfälle in der Klasse der LM-P und LM-PGT eingeleitet. Abt, der erst kurz vor dem Rennen vom Testfahrer ins Einsatzkader nachgerückt war, saß am Steuer, als die Kraftübertragung versagte.
Der zweite R8C mit der erfahrenen Besatzung Wallace/Weaver/McCarthy wurde von ähnlichen Problemen heimgesucht und erhielt ein neues Getriebe. Für ihn kam das Aus am Sonntag morgen.
Davon völlig unbeeindruckt drehte der R8R Nummer 8 nahezu wie ein Uhrwerk seine Runden und lag bei Sonnenaufgang an der vierten Position. Die einzigen nennenswerten Reparaturen waren ein unplanmäßiger Austausch der Bremsscheiben und der Wechsel der Auspuffanlage.
Derweil war das Toyota-Team durch zwei Unfälle auf ein Auto reduziert worden, das auf dem dritten Platz hinter den zwei BMW V12 LMR lag. Nach fast 20 Stunden hatte BMW eine Schrecksekunde: Der führende Wagen fiel aus und überließ die Spitze seinem Teamkollegen. Der Audi R8R von Emanuele Pirro war nun Dritter, und daran sollte sich bis zum Zieleinlauf auch nichts mehr ändern. Der Audi Nummer 7 machte den Erfolg mit einem vierten Platz komplett. Seine Probleme waren zwar groß, aber kleiner als die der Konkurrenz.
Audi hat bei seinem ersten Le Mans-Einsatz bewiesen, daß man für eine der größten Herausforderungen im Motorsport gerüstet ist. Im nächsten Jahr wird Audi wiederkommen, um endgültig um den Sieg zu fahren. Offen bleibt die Frage, was Audi bis dahin tut. Die Entscheidung soll in den Tagen unmittelbar nach dem 24-Stunden-Rennen getroffen werden.

Gregor Schulz

Qualifying

1. Brundle/Collard/Sospiri, Toyota GT One, 3:29,930 Minuten
2. Boutsen/Kelleners/McNish, Toyota GT One, 3:30,801 Minuten
3. Kristensen /Lehto/Müller, BMW V12 LMR, 3:31,209 Minuten
4. Lagorce/Lamy/Schneider, Mercedes-Benz CLR, 3:31,541 Minuten
5. Brabham/Bernard/Leitzinger, Panoz LMP, 3:33,711 Minuten
6. Dalmas/Martini/ Winkelhock, BMW V12 LMR, 3:33,931Minuten
 
9. Aiello/Alboreto/Capello, Audi R8R, 3:34,891 Minuten
11. Biela/Pirro/Theys, Audi R8R, 3:35,371Minuten
20. McCarthy/Wallace/Weaver, Audi R8C, 3:42,155 Minuten
23. Abt/Johansson/Ortelli, Audi R8C, 3:45,202 Minuten

Rennen

1. Dalmas/Martini/ Winkelhock, BMW V12 LMR, 366 Runden, 4982,974 Kilometer
2. Katayama/Tsuchiya/Suzuki, Toyota GT One, 365 Runden, 4971,215 Kilometer
3. Biela/Pirro/Theys, Audi R8R, 361 Runden, 4911,143 Kilometer
4. Aiello/Alboreto/Capello, Audi R8R, 347 Runden, 4724,871 Kilometer
5. Auberlen/Bscher/Soper, BMW V12 LM98, 346 Runden, 4713,650 Kilometer
6. Caffi/Montermini/Schiattarella, Courage C52, 343 Runden, 4660,565 Kilometer
 
Ausf. McCarthy/Wallace/Weaver, Audi R8C, 198 Runden, 2693,790 Kilometer
Ausf. Abt/Johansson/Ortelli, Audi R8C, 55 Runden, 748,275 Kilometer
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