Return, Menue  PS Gefluester

 
Im Osten was Neues
 
Sachsenring, 23. Mai 1998
 
Zufrieden mit Startplatz 7
Etwas Schlamm auf der "besten Strecke"

Als Emanuele Pirro aus dem Rennwagen stieg, nachdem er gerade seine schnellste Qualifying-Runde gefahren hatte, war er sichtlich zufrieden: Zu diesem Zeitpunkt war seine Rundenzeit von 1:28,336 die dritt-schnellste des Tages. Allerdings war auch erst ein Drittel des Zeittrainings verstrichen und es stand zu befürchten, daß Emanueles Plazierung nicht bis zum Ende Bestand haben würde. So war es dann auch: Als die komplette Zeit von 60 Minuten vorbei war, war er nur noch Siebter, aber trotzdem alles andere als betrübt: "Bis kurz vor Qualifying-Ende war ich Fünfter, eine Plazierung, die der Leistungsfähigkeit unseres Autos ziemlich genau entspricht." – Soviel also auch zum Thema Renn-Prognose.

98.05.24.Sachsenring.001

Der Freitag war für Emanuele Pirro genauso wie für alle Fahrer etwas ungewohnt, denn auf dem Sachsenring standen zwei freie Trainingssitzungen auf dem Programm. In der Regel ist es eine. Der Grund waren umfangreiche Umbauarbeiten, die seit dem Rennen im letzten Jahr vorgenommen worden waren. Glücklicherweise hatte die einmalige Charakteristik der Strecke (Emanuele Pirro: "Ich glaube, es ist die beste Strecke im ganzen STW-Kalender.") nicht darunter gelitten. Die Arbeiten konzentrierten sich auf die Vergrößerung der Kiesbetten und Sturzräume und einen neuen – ebeneren – Asphaltbelag.

Emanuele Pirro war nach den beiden Trainings zufrieden. Das erste hatte er als Fünfter beendet (1:29,644), das zweite als Siebter (1:28,6768). Mit dem Auto war alles o.k. Die Probleme, von denen das Audi-Team auf dem Nürburgring vor 14 Tagen geplagt worden war, hatte man u.a. während Tests in Vallelunga in den Griff bekommen.

Einzig die dreckige Strecke machte Emanuele etwas zu schaffen. "Es ist viel Schlamm auf der Fahrbahn, denn hier gibt es keine Kerbs. Wenn man etwas neben die Strecke kommt, fliegt gleich Dreck hoch", sagte er zu diesem Thema.

Das mit dem Dreck hatte sich am Samstag morgen zum dritten freien Training erledigt: Es hatte über Nacht stark geregnet und noch immer kamen ein paar Tropfen vom verhangenen sächsischen Himmel. Regenreifen waren angesagt, und die gefahrenen Zeiten konnten für die Leistungsfähigkeit von Autos und Fahrern kaum herangezogen werden. Emanuele Pirro war Neunter (1:42.420).

Als das Zeittraining um 14.00 Uhr freigegeben wurde, schien die Sonne und trotz der in einiger Entfernung sichtbaren Regenwolken herrschte in der Boxengasse keine übermäßige Betriebsamkeit. Und die war auch nicht nötig, denn bis auf ein paar kaum spürbare Tropfen blieb das Qualifying trocken. Als nach ein paar Minuten Emanuele hinaus auf die Strecke fuhr, drehte er zuerst ein paar Erkundungsrunden. Dann kam er an die Box und ließ seine Qualifying-Reifen montieren und ging erneut hinaus – mit Erfolg, wie bereits geschrieben. Für ein paar Sekunden führte der Computer Emanuele Pirro sogar auf Rang 2, mit nur 0,007 Sekunden Rückstand auf den Führenden. Aber dann war jemand schneller.

Nach seiner schnellsten Runde kam er an die Box und beobachtete fortan das Geschehen vor dem Zeitmonitor an der Boxenmauer. Die Devise hieß warten. Gegen Ende ging er zwar nochmals für zwei Runden hinaus, doch nur, um Reifen für das Rennen anzufahren.

Trainingsschnellster war – ein wenig überraschend – Nürburgring-Sieger Johnny Cecotto (1:27,192) vor seinem Schnitzer BMW-Teamgefährten Joachim Winkelhock. Meister Laurent Aiello wurde Dritter, konnte mit dieser Position aber gut leben: "Wegen ihres Heckantriebs und der besseren Traktion hätten mich die beiden BMW beim Start sowieso überholt", sagte der kleine Franzose später.

Emanuele Pirro fehlt eigentlich in den ersten beiden Startreihen. Cecotto (1994), Winkelhock (1995) und Aiello (1997) habe nämlich alle – genau wie er (1996) - einmal den Meistertitel im deutschen Supertourenwagen-Championat geholt.

Gregor Schulz

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