Return, Menue  PS Gefluester

 
Nur Startplatz 11 - Aber warum?
 
Nürburgring, 09. Mai 1998
 
Viel Frust und keine Erklärung
Hoffnung am Samstagmorgen: Platz 6
Rennprognose: "No Comment"

Nach dem Zeittraining am Samstag mußte man Emanuele Pirro nicht nach seiner Meinung fragen. Sein Gesichtsausdruck verriet ohne den geringsten Zweifel, daß er über seinen 11. Platz maßlos enttäuscht war. Mit einer Zeit von 1:44,113 lag er mehr als eine Sekunde hinter der Spitzenmarke, die auf dem Nürburgring erstmals von Roland Asch im Nissan gesetzt worden war.

Gute Miene zum bösen Spiel: Emanueles zufriedener Gesichtsausdruck war an diesem Wochenende alles andere als gerechtfertigt.

Aber wie hat sich Emanuele Pirros Rennwochenende in der Eifel überhaupt entwickelt? Im freien Training am Freitag war er sogar nur 15., doch sorgte dies unter den gegebenen Umständen nicht gerade für Enttäuschung. Dazu Emanuele: "Ich hatte gerade einen Longrun mit harten Reifen gefahren, um deren Verhalten kennenzulernen. Als ich damit fertig war, ließ ich weichere Reifen aufziehen, um meine Zeit zu verbessern, doch dann ist eine Antriebswelle gebrochen, und ich kam an die Box." Weil ein solches Problem (das übrigens zur gleichen Zeit auch seinen Teamkollegen Frank Biela heimsuchte) nicht so schnell zu beheben ist, war das Freitagstraining für den Wahl-Monegassen gelaufen. Für den Samstag sagte er natürlich eine deutliche Zeitverbesserung voraus, nicht nur für sich, sondern für das ganze Feld. "Die Strecke ist im Moment noch sehr dreckig. Erst wenn der Asphalt sauber gefahren worden ist, wird schneller gefahren", argumentierte Emanuele und bemerkte nebenbei, daß sein Audi mit Dreck auf der Piste möglicherweise etwas schlechter zurechtkommt, als andere Autos.

Nach dem freien Training am Samstagmorgen war Emanuele Pirro 6., um 1,5 Sekunden schneller als am Tag zuvor. Erstens kamen natürlich die weicheren Reifen zum Einsatz, die am Freitag aus besagtem Grund von den Heizdecken umhüllt geblieben waren. Zweitens war die Strecke sauberer geworden, und drittens herrschten am Morgen dieses sommerlichen 9. Mai 1998 niedrigere Temperaturen als am Nachmittag zuvor.

Trotz der guten Plazierung war Emanuele eher pessimistisch gestimmt, denn das Setup bereitete Probleme: Emanuele und die Audi-Ingenieure konnten sich nämlich nicht so recht erklären, warum das Auto manchmal gut funktioniert und manchmal nicht, ohne das etwas am Setup verändert worden war.

Verkehrte Welt: Hier täuscht der Eindruck, denn während des Rennens sind sich Emanuele Pirro und Opel-Pilot Eric Hélary im TNT-Vectra nicht begegnet. Der Franzose war zweimal Zweiter.

Vor dem Qualifying wollte sich Emanuele daher auch nicht festlegen, was seine mögliche Startposition betraf. Und dies war – leider – auch besser so, denn während der 60 Minuten des Zeittrainings von 14.00 bis 15.00 Uhr funktionierte das Auto nicht.

Emanuele war als Dritter hinaus auf die Strecke gegangen, und als der Computer der Zeitnahme nach ein paar Minuten erstmals ein brauchbares Ergebnis ausspuckte, listete er Emanuele Pirro auf Rang 3, in bester Gesellschaft von Laurent Aiello (1.), Eric Hélary (2.) und Roland Asch (4.). Doch während die drei anderen später zur Pole-Position-Pressekonferenz ins ADAC-Zelt gingen (Asch 1., 1:43,049/ Hélary 2., 1:43,159/ Aiello 3., 1:43,328); verblieb ein enttäuschter Emanuele Pirro in der Box, wo er sich mit seinen Ingenieuren in Telemetriedaten vertiefte. Er hatte seine Zeit nicht mehr verbessern können. Die 1:44,113 war seine erste gezeitete Runde gewesen. Leider brachte die Durchsicht der Daten nicht den gewünschten Erfolg. Emanuele hat keine Erklärung dafür gefunden, warum das Auto in seiner entscheidenden Runde wieder nicht funktioniert hatte. "Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht", war Emanueles frustrierter Kommentar, und weiter: "Es kann schon sein, daß die höheren Temperaturen ausschlaggebend waren, außerdem war es sehr windig und erneut lag viel Dreck auf der Strecke. Aber das sind nur Vermutungen."

Während des Qualifyings gab Emanuele Pirro vielen Zuschauern ein Rätsel auf, denn als erst 30 der 60 Minuten verstrichen waren, steuerte er die Box an, die er danach nicht mehr verließ. Des Rätsels Lösung: Er hatte nur einen weichen Reifensatz für eine wirklich schnelle Runde und als der verbraucht war, gab es wegen der Probleme keinen Grund mehr, wieder auf die Strecke zu gehen; zumal er seine schnellste Zeit nicht mit den als wirklich schnell erachteten Reifen gefahren war, sondern bereits ganz zu Anfang.

Daß Emanuele natürlich mit allem anderen als hohen Erwartungen in Richtung Rennen blickt, bedarf natürlich keiner weiteren Erwähnung.

Gregor Schulz

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