Return, Menue  PS Gefluester

 
Im Regen stehen
 
Hockenheim, 19. April 1998
 
Zu harte Reifen
Der reinste Alptraum
Zuversicht im Audi-Lager

Ein Blick aus dem Fenster am frühen Morgen deutete es an: Der erste Lauf zur Supertourenwagen-Meisterschaft würde ein Regenrennen werden. Es goß in Strömen und, nicht der kleinste Sonnenstrahl machte Anstalten, auf direktem Wege die Erdoberfläche rund um Hockenheim zu treffen.

98.04.19.Hockenheim.001

Das Warm-Up wurde bei widrigsten Umständen zu einer kleinen Überraschung: Zuerst führte Peter Mamerow im zwei Jahre alten Audi Quattro, bevor sein Motor den Dienst quittierte. Und als das wegen eines Unfalls (Modena und Kristensen) unterbrochene Warm-Up beendet war, führte der Computer Franz Engstler (1:18,871) vor Klaus Niedzwiedz (beide mit privaten Opel unterwegs) vor Oliver Mayer in einem weiteren alten Audi Quattro. Das Geheimnis der Privatiers: Sie waren mit Dunlop unterwegs, während in diesem Jahr erstmals alle Werks-Teams auf die Reifen von Michelin vertrauen. Die hatten für die widrigen Verhältnisse in Hockenheim allerdings eine zu harte Reifenmischung für ihre Regenreifen verwendet. Emanuele war die siebtschnellste Zeit gefahren (1:23,246).

Als die Autos am Nachmittag zur Startaufstellung rollten, regnete es zwar immer noch, doch ein kleines bißchen weniger. Deshalb entschloß sich Emanuele, ein Risiko einzugehen: Er fuhr als einziger Fahrer im ganzen Feld auf Intermediates, den für leichten Regen geschlitzten Sliks, hinaus zum Start des Sprints. Alle anderen Fahrer blieben auf Regenreifen.

98.04.19.Hockenheim.003

Schon vor dem Start war klar: Entweder würde Emanuele ganz weit vor fahren oder gnadenlos untergehen. Leider war letzteres er Fall, denn es regnete unverändert. Von seinem fünften Startplatz aus, den er beim Start noch behaupten konnte, fiel er bis auf den 16. Platz zurück. Emanuele: "Es war der reinste Alptraum."

Startaufstellung zum Rennen: Mittlerweile war der Regen tatsächlich schwächer geworden und (fast) alle Autos rollten auf Intermediates. Emanuele. "Es gibt zwei Arten von Intermediates, mit weniger oder mehr Rillen. Die anderen fuhren auf denen mit mehr, was ich auch getan hätte, hätte ich diese nicht schon im Sprint aufgebraucht. Also war Emanuele in punkto Reifen wieder etwas gegenüber den anderen im Nachteil. Trotzdem lief im Rennen alles gut und das Ergebnis stimmt optimistisch: Emanuele wurde 7., und das, obwohl er in einer der ersten Runden auf der Querspange von einem anderen Wagen geschubst worden war und die Vorderachse etwas beschädigt hatte. Sogar ein Rad schliff an der Karosserie.

98.04.19.Hockenheim.004

Zwar profitierte er von dem einen oder anderen technischen Problem seiner Konkurrenten (darunter sein Teamkollege Frank Biela und Sprint-Sieger Uwe Alzen im Opel), doch im großen und ganzen überholte er.

"Nach dem Rennen bin ich optimistisch, denn ich weiß wieder etwas mehr über das Auto. Ich weiß, daß es Potential hat und noch einiges möglich ist", zeigte sich Emanuele nach dem Rennen gar nicht so schlecht gelaunt, wie man es nach dem verwachsten Sprint eigentlich hätte erwarten können.

98.04.19.Hockenheim.002

Auch Audi-Sportchef Dr. Wolfgang Ullrich ist optimistisch: " Mit dem Start in die neue Saison können wir unter den gegebenen Umständen sicherlich zufrieden sein. Wir haben gesehen, daß unser Auto das nötige Potential hat." Wider aller Erwartungen war es gerade der erst kürzlich zum Werkspiloten gereifte Ex-Audi-Privatier Christian Abt, der Dr. Ullrich und der Audi-Truppe zur Zuversicht verhalf: Er beendete das Rennen als Fünfter, nachdem ihm an sicherer dritter Position ein Fahrfehler unterlaufen war, und er durch das Kiesbett fuhr.

Das Rennen wurde vom zweimaligen Le Mans-Sieger und Ex-ITC-Champion Manuel Reuter gewonnen, der so seiner im letzten Jahr durchlebten Durststrecke ein Ende setzte und bewies, daß auch mit Opel in diesem Jahr zu rechnen ist. Titelverteidiger Laurent Aiello wurde Zweiter vor "Jockel" Winkelhock.

Gregor Schulz

Copyright Feedback Home Bibliothek

PS- Geflüster